Parteipositionen: Justiz & Inneres
Kriminalität in Deutschland — Fakten, Trends und politische Einordnung
Kriminalitätsstatistiken gehören zu den meistzitierten und meistmissverstandenen Daten der politischen Debatte. Diese Geschichte erklärt die Langzeitentwicklung, methodische Grenzen und wie Daten korrekt eingeordnet werden müssen.
Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) wird seit 1953 jährlich veröffentlicht. Sie erfasst alle bei der Polizei angezeigten Straftaten. Wichtig: Nur Hellfeld — nicht angezeigte Taten bleiben unsichtbar. Tatverdächtige ≠ Verurteilte.
Nach der Wiedervereinigung 1990 stiegen Kriminalitätszahlen stark an — wirtschaftlicher Umbruch, Arbeitslosigkeit, neue soziale Ungleichgewichte. Seitdem langfristig rückläufige Tendenz bei Gesamtkriminalität. Eigentumsdelikte, Einbrüche, Taschendiebstahl stark gesunken.
Kontaktbeschränkungen in der Pandemie führten zu historisch niedrigen Kriminalitätszahlen. Weniger Gelegenheiten, weniger Anzeigen. 2022/2023 stiegen Zahlen wieder auf Vor-Pandemie-Niveau — fälschlicherweise oft als 'Anstieg' interpretiert ohne Bezug zur Baseline.
PKS 2023: ca. 5,94 Mio. Straftaten. Stark gestiegen: Cyberkriminalität, digitaler Betrug. Gesunken: klassische Eigentumsdelikte. Stabil: Körperverletzung. Sicherheitsgefühl der Bevölkerung korreliert nicht direkt mit Statistik — Medienberichterstattung und Diskurse prägen Wahrnehmung stärker als Zahlen.
Nach Solingen-Anschlag 2024: PKS-Daten zu Nationalitäten werden intensiv diskutiert. Methodische Einschränkungen (Aufenthaltsdelikte, Sozialstruktur, Dunkelfeld) werden in der politischen Debatte oft ausgeblendet. BKA warnt selbst vor vereinfachenden Schlussfolgerungen.
Relevante Gesetze & Entscheidungen
Wahlversprechen
Das Dunkelfeld ist strukturell unbekannt. Sozialstruktur-bereinigte Analysen fehlen in der öffentlichen Debatte häufig. Kausale Schlussfolgerungen aus Korrelationen in der PKS sind wissenschaftlich umstritten.